• Die SFA Studie zur Veränderungen des Alkoholkonsums entspricht keinen wissenschaftlichen Kriterien und erlaubt keine Rückschlüsse auf die Entwicklung des Alkoholkonsums in der Schweiz zwischen 1999 und 2001.
  • Die Frage nach den Ursachen des Alkoholkonsums bei Jugendlichen wird von der SFA nicht behandelt.
  • Studien in Deutschland haben gezeigt, dass der Alkoholmissbrauch Jugendlicher ein Symptom psychologischer und soziologischer Probleme ist, welche häufig in der Pubertät vorkommen.
  • Die Behauptung, dass Alcopops den Einstieg Jugendlicher zum Alkoholkonsum fördern, beruht ausschliesslich auf Vorurteilen, da keinerlei wissenschaftlich begründete Studien dafür existieren.

Gesundheitsgefährdender Alkoholkonsum bei Jugendlichen kann erst dann bekämpft werden, wenn man die Ursachen des Trinkens kennt. Hierzu liefert die Studie der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol-und andere Drogenprobleme in seinem 38.

Forschungsbericht, Februar 2003, zur Veränderungen des Alkoholkonsums zwischen Frühling 1999 und Herbst 2001, keine Hinweise. Davon auszugehen, dass – gemäss der Autoren im Bundesrat des Projekts Sondersteuer auf Alcopops – „eine Besteuerung der alkoholischen Getränke das wirksamste Mittel ist, um den Konsum zu bremsen, ganz besonders bei Jugendlichen“, ist eine viel zu simple Erklärung für einen tatsächlich hochkomplexen Ursachenzusammenhang zwischen den Lebensbedingungen von Jugendlichen und deren Alkoholkonsum. Will man den Alkoholkonsum bei Jugendlichen verringern, dann gilt es, an den tatsächlichen Ursachen zu arbeiten, z. B. auch an dem Vorbildverhalten vieler Erwachsener, an den familiären Strukturen, an den ökologischen und sozialpolitischen Rahmenbedingungen, unter denen Jugendliche heute aufwachsen.

Eine Verteuerung einer einzelnen Alkoholsorte ist keine wirksame Maßnahme gegen jugendlichen Alkoholkonsum und wird sicherlich keine Reduktion oder gar Ursachenbekämpfung von Alkoholkonsum bei Jugendlichen hervorrufen. Prohibitative Reglementierungen und fiskalische Restriktionen waren noch nie geeignet, gesundheitliches Fehlverhalten zu therapieren oder gar zu verhindern.

Aufgrund erheblicher Methodendefizite können die Ergebnisse der SFA-Studie nicht als Entscheidungsgrundlage gesetzgeberischer Massnahmen dienen

Die im Februar veröffentliche SFA-Studie [1] wird aufgrund gravierender theoretischer, erhebungs- und auswertungsmethodischer wie aber vor allem interpretativer Mängel wissenschaftlichen Ansprüchen in keiner Weise gerecht und scheidet daher als Entscheidungsgrundlage gesetzesgeberischer Maßnahmen aus. Die zentralen und wichtigsten Kritikpunkte an der zur Begutachtung vorgelegten Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Es liegt bereits zum ersten Erhebungszeitpunkt keine repräsentative Stichprobe vor, die bei den späteren Erhebungszeitpunkten durch hohe Stichprobenausfälle noch weiteren Verzerrungen unterliegt. Das heißt: Eine Aussage über die Entwicklung des Alkoholkonsums für die Gesamtbevölkerung der Schweiz ist auf Basis der vorliegenden Studie nicht möglich.
  • Durch die Alterung der Stichprobe (zum ersten Erhebungszeitpunkt sind die jüngsten Probanden 16 Jahre alt, zum letzten Erhebungszeitpunkt mindestens 18 ½ Jahre) und der Zusammenfassung der 16- bis 29-Jährigen als jüngere Teilstichprobe sind keine gültigen Aussagen über die Entwicklung des Alkoholkonsums bei Jugendlichen möglich.
  • Die Alkoholkonsummenge wurde retrospektiv am letzten Messzeitpunkt „zu einem der vorigen Messzeitpunkte“ (vgl. Seite 12 SFA Studie) erhoben; dies birgt jedoch eine erhebliche Gefahr schwer zu kontrollierender Erinnerungsverzerrungen bei den Probanden in sich, so dass insgesamt von einer sehr ungenauen Erhebungsmethode gesprochen werden muss.
  • Die in der Studie und dann in der Vorlage angegebene Steigerung des Alkoholkonsums bei Spirituosen um 38 Prozent stellt eine dramatische Manipulation statistisch irrelevanter Ergebnisse dar: Der Konsumanstieg betrug nämlich lediglich 0,27 Gramm reinen Alkohols pro Kopf pro Tag. Dabei muss bedacht werden, dass ein 0,02-Liter-Glas Spirituosen 7 Gramm reinen Alkohol enthält. Das heißt: Der Konsumanstieg nach der Preisreduktion betrug rund 1/25 eines Schnapsglases pro Tag bzw. knapp alle 26 Tage ein Schnapsglas mehr. Wenn man bedenkt, dass die Weltgesundheitsorganisation eine Tagesmenge von bis zu 24 Gramm reinen Alkohols (also 3 ½ Gläser Schnaps pro Tag) als harmlos für die Gesundheit einstuft, dann besitzt ein Konsumanstieg von 0,27 Gramm keine gesundheitspolitische Relevanz.
  • Zu beachten ist auch, dass innerhalb der Alkoholkonsumforschung hinreichend belegt ist, dass der Alkoholkonsum im Alter ansteigt (unabhängig von Preisänderungen). Das heißt: Der vorliegende geringfügige Anstieg des Spirituosenkonsums ist im Wesentlichen auf den Alterungseffekt der Stichprobe innerhalb des zweieinhalbjährigen Erhebungszeitraums zurückzuführen, also letztlich ein Artefakt der Methode der vorliegenden Studie.
  • Die Autoren geben zudem an, dass sich der Alkoholkonsum pro Kopf in der Schweiz im Zeitraum 1998 bis 2001 insgesamt nicht verändert hat und stabil bei 11,1 Litern Reinalkohol pro Kopf2 geblieben ist. Das heißt: Insgesamt ist keinerlei Hinweis auf einen Mehrkonsum in der Schweiz gegeben, auch nicht nach der Preisreduktion im Jahr 1999. Zwar ist der Anteil der konsumierten Spirituosen minimal gestiegen, dieser aber wird durch einen Minderkonsum an Bier ausgeglichen. Es gibt somit keinerlei Anzeichen für einen zusätzlichen Alkoholkonsum in der Schweiz nach der Preisreduktion im Jahre 1999, ganz im Gegenteil, die Studie beweisst, das keinerlei Veränderungen stattgefunden haben. Auf der Internetseite der Eidgenössischen Alkoholverwaltung lässt sich nachlesen, dass der Alkoholkonsum in der Schweiz derzeit 9,2 Litern pro Kopf beträgt.
  • Ein weiterer kritischer Punkt der vorliegenden Studie stellt die Unterscheidung in befragte Probanden mit einem „bescheidenen“ und solche mit einem „großen“ Verbrauch an Spirituosen vor der Veränderung der Spirituosensteuer dar. Nach unseren eigenen repräsentativen Forschungsvorgehen zählen bei einer konservativen Einstufung Jugendliche in der Alterstufe 16 bis 17 Jahre mit einem durchschnittlichen Konsum von bis zu 16 Gramm reinen Alkohol pro Tag zu den „Gelegenheitstrinkern“, solche mit einem Konsum von 16 Gramm und mehr reinen Alkohol pro Tag zu den „regelmäßigen Trinkern“ (entspricht etwa zwei Drittel der Alkoholkonsummengen für Erwachsene). Die Autoren der vorliegenden Studie verwendeten hingegen als Einteilungskriterium für die „bescheidenen“ Verbraucher einen Spirituosenkonsum von bis zu einem Gramm / Tag bzw. für die „großen“ Verbraucher eine konsumierte Menge von über 1 Gramm / Tag. Dieses Einteilungskriterium kann nicht als hinreichendes Unterscheidungsmaß zwischen gering und mehr Konsumierenden gelten: Verdeutlicht man sich nämlich, was dies an tatsächlich konsumierter Alkoholmenge bedeutet, dann trinken „große“ Verbraucher gerade mal ein kleines Glas Schnaps mehr pro Woche als die so genannten selten Konsumierenden. Erneut ist darauf hinzuweisen, dass die Weltgesundheitsorganisation eine Konsummenge von bis zu 24 Gramm reinen Alkohol pro Tag (also etwa drei kleine Gläser Schnaps pro Tag) als Harmlosigkeitsmenge einstuft; erst Konsummengen von über 24 Gramm reinen Alkohols pro Tag gelten als potenziell gesundheitsgefährdend, Konsummengen über 40 Gramm reinen Alkohols pro Tag als Gefährdungsgrenze für Gesundheitsschäden.
  • Zudem bleibt äußerst fraglich, ob man anhand von Daten, die bis zu zweieinhalb Jahren nach der Preisreduktion erhoben worden sind, wirklich Aussagen zu langfristigen Veränderungen des Konsumverhaltens infolge der Preisreduktion machen kann; es ist vielmehr wahrscheinlich, dass zum Beispiel Probanden mit einem vormals sehr geringen Alkoholkonsum nun zwar Spirituosen probieren, dies aber nicht als kontinuierliches Verhaltensmuster anhaltend zeigen. Die Schlussfolgerung der Autoren „Die neuen Preise haben sowohl einen Konsumanstieg ausgelöst als auch ein neues ‚Marktpotenzial’ geschaffen“ ist auch unter dem Aspekt der kurzen Erhebungszeit nicht haltbar.
  • Die Frage der Preiselastizität wäre unter dem Aspekt Vieltrinker zu untersuchen: Je mehr Alkohol jemand konsumiert, desto subjektiv bedeutsamer – und dann aber auch gesundheitspolitisch relevanter – wird der Flaschenpreis und dann aber auch eine Preisreduktion von Spirituosen. Mit der vorliegenden Stichprobe wurde jedoch eine Probandengruppe befragt, die insgesamt einen sehr geringen Alkoholkonsum aufweist.
  • Die zentrale, gesundheitspolitisch relevante Frage, unter welchen Bedingungen – psychologisch, soziologisch, marktwirtschaftlich – sich das Alkoholkonsumverhalten und die ihm zugrunde liegenden Einstellungs- und Bewertungsmuster in der Schweizer Bevölkerung stabilisiert oder verändert, bleibt unbeantwortet. Die Annahme eines Zusammenhangs zwischen Preisreduktion und Alkoholkonsum ohne die Kontrolle soziologischer und psychologischer Einflüsse ist jedoch aus wissenschaftlicher Sicht in keiner Weise hinreichend für eine theoretisch fundierte Erklärung möglicher Verhaltensänderungen oder -stabilisierungen des Alkoholkonsums.
  • Gemessen an den Kriterien der WHO betreiben circa 90Prozent aller Alkoholkonsumenten einen „unschädlichen Konsum“; es stellt sich die Frage, ob und inwiefern die 10 Prozent, die einen schädlichen oder missbräuchlichen Alkoholkonsum betreiben, über generalpräventive Maßnahmen wie zum Beispiel Werbeverbote, Distributionsbeschränkungen, Steuererhöhungen etc. überhaupt erreicht werden können; grundsätzlich ließe sich auch die Diskussion führen, ob dieser Anteil von 10 Prozent als viel oder wenig zu gelten hat und ob angesichts dieser Zahlen generalpräventive Maßnahmen prinzipiell vertretbar sind.

 Zusammenfassend kann man sagen, dass die Interpretationen der Ergebnisse in Bezug die Entwicklung des Alkoholkonsums in Abhängigkeit zum Preis widersprüchlich und irrationell sind.

Steuererhöhung ist kein geeignetes Mittel der Gesundheitspolitik

Eine Optimierung des Gesundheitsverhaltens durch fiskalische Steuerungselemente ist sicherlich eine Utopie, und dies gilt in besonders ausgeprägtem Maße für die sog. Genussmittel. Ein aktuelles Beispiel dazu ist die Entwicklung des Zigarettenkonsums in Deutschland nach der letzten Steuererhöhung zum 1. Januar 2003 (Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 19.04.2003). Die Tabaksteuer pro Zigarette wurde dabei um 10,8 % erhöht. Von einem Rückgang des Tabakkonsums als Folge der Verteuerung kann nicht die Rede sein, ganz im Gegenteil. Zum Zeitpunkt der Preiserhöhung ging der Absatz von Fabrikzigaretten gegenüber dem ersten Quartal 2002 mengenmäßig um 5,1 % merklich zurückging, gleichzeitig nahm aber die versteuerte Feinschnittmenge um 24,7 % und von Pfeifentabak um 3,5 % zu. Es gibt für den Konsumenten eben immer auch andere „Wege“, um zu seinem Tabakkonsum bei Reduzierung der Kosten zu gelangen.

Die wahren Ursachen des Alkoholkonsums erkennen und behandeln

Um präventiv problematischem Alkoholkonsum entgegenzuwirken und Betroffenen wirksam helfen zu können, ist eine wesentlich differenziertere und stärker sozialpsychologische, weniger wirtschaftstheoretische Erklärung von Konsumverhalten notwendig.

Eine empirisch hinreichend begründete Kausalanalyse des Alkoholkonsums von Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren führte zu der entscheidenden Grunderkenntnis, dass der Alkoholmissbrauch immer und zentral ein Symptom und nicht die Ursache eines gesundheitlichen und vor allem auch psychologischen Fehlverhaltens ist. Wir haben zeigen können, dass ein früher und relativ intensiver Alkoholkonsum bei Jugendlichen zentral begründet ist:

  • In der Fehlverarbeitung von entwicklungspsychologischen Herausforderungen: Der regelmäßige Alkoholkonsum vermag zu diesem frühen Zeitpunkt jugendlicher Entwicklung zu einem Quasiproblemlöser jugendlichen Probleme werden.
  • In einer inadäquaten Problemlösestrategie: Wenn Alkohol die Funktionen der Verdrängung und des Vergessens von Problemen, des Abbaus und der Bewältigung von Zukunftsängsten und Einsamkeitsgefühlen übernimmt.
  • In der Konfliktträchtigkeit der Eltern-Kindbeziehungen und einem vielfach hohen Ausmaß an Erziehungsunsicherheit der Eltern.
    • Jugendliche, die keinen bzw. nur gelegentlich Alkohol konsumieren, finden sich in 84 Prozent der Fälle in einer Eltern-Kindbeziehung, die gekennzeichnet ist durch: Geborgenheit – Partnerschaft, Freundliche Verbundenheit, Zuneigung, Akzeptanz und Motivierende Kontrolle.
    • Jugendliche, die regelmäßig Alkohol konsumieren, finden sich in einer ElternKindbeziehung, die gekennzeichnet ist durch
      • Gleichgültigkeit, Gesprächsdefizite 27%
      • vielfältiges., konfliktreiches Beziehungssystem 38%
      • Überbehütung 19%
  • Die Bilanzierung von Vor- und Nachteilen des Alkoholkonsums steht in signifikantem Zusammenhang mit dem Trinkstatus der Jugendlichen. Mit zunehmendem Alkoholkonsum steigt auch der persönliche Bilanzwert im positiven Bereich. Für Nichttrinker überwiegen dagegen stärker die Kosten des Alkoholkonsums. Die Qualität der Alkoholbilanz ist allerdings gruppenspezifisch; in ihr kann sowohl ein positiv genussorientierter Lebensstil zum Ausdruck kommen wie aber auch eine Konflikt- und Problemlösefunktion des Alkohols.
  • In einem Defizit an Leistungsorientierung in Schule und Beruf
  • In der Präferenz eines Risiko orientierten Genusserlebens (Zigaretten, Sex, Nervenkitzel, die Attraktivität des Verbotenen u.a.).

Die Diagnose der psychologischen Ursachen des zu frühen Einstiegs Jugendlicher in den Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch macht eines deutlich: Vordergründige und simple restriktive Maßnahmen, wie dies z.B. Werbeverbote oder auch zusätzliche steuerliche Belastungen darstellen, sind eigentlich nur Ausdruck der Hilflosigkeit der Gesundheitspolitik gegenüber Symptomen, die in einem völlig anderen Begründungszusammenhang gesehen werden müssen, als dies eine nur symptomgesteuerte Politik der Werbeverbote und zusätzliche Besteuerung tut.

Alcopos als Einstiegskatalysatoren des Alkoholkonsums bei Jugendlichen: Annahmen ohne wissenschaftliche Grundlage

Die SFA-Studie untersucht in keiner Weise, unter welchen Bedingungen junge Menschen mit dem Alkoholkonsum beginnen. Es sind somit auch keinerlei Aussagen möglich, ob Alcopops überhaupt eine Ursache dafür sind, dass Jugendliche mit dem Genuss von Alkohol beginnen bzw. diesen fortsetzen. Für den in der Schweiz so genannten Umsteigereffekt von Alcopos auf gleichsam „echte“ Alkoholika gibt es außer Vorurteilen keine wissenschaftlichen Belege.

Nur eines kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gesagt werden. Eine Verteuerung von Alcopos-Marken durch fiskalische Maßnahmen wird keine Barriere für das präferierte Konsumverhalten von Jugendlichen sein.

Die Schülerbefragung der ISPA zeigt zwar eindeutig, dass bei 15 – 16jährigen der mindesten einmal pro Woche Alcopopskonsum angestiegen ist. Dies trifft allerdings ebenfalls für Bier und Wein zu, auch wenn in anderen Proportion. Bei der Alcopops -Diskussion darf nicht vergessen werden, dass die Alcopops nur 0,9% der alkoholischen Getränke in der Schweiz ausmachen.

Aus Untersuchungen aus Deutschland ist bekannt, dass gelegentlicher Alkoholkonsum keinesfalls zwangsläufig zu einem regelmäßigen Alkoholkonsum führt. Das Argument gegen Alcopops als eine Einstiegsalkoholika und damit eine höhere Gefährdung von Jugendlichen trifft also nicht zu. Der Anteil von Jugendlichen, die im Alter zwischen 12 und 17 Jahren zu den Nichttrinkern oder gelegentlichen Alkoholkonsumenten gehören (also weniger zu regelmäßigem Konsum und einer eventuell höheren Gefährdung neigen), beträgt nach den repräsentativen Daten für Deutschland ca. 75 Prozent. Daten für die Schweiz ergeben sich aus der Studie der schweizerischen Fachstelle gegen Alkohol- und andere Drogenprobleme nicht, da die Autoren keinerlei differenzierte Angaben zu einer Klassifikation in Nicht-, Gelegenheits- und regelmäßige Alkoholkonsumenten angeben. Damit sind dann aber auch keinerlei Angaben über den Anteil möglicherweise gefährdeter Jugendlicher möglich.

Auch in der Vergangenheit – vor der Entwicklung der Alcopops – hat es immer wieder neue Produkte im Alkoholkonsummarkt gegeben. Dabei ist aber wesentlich, dass auch bei diesen früheren Neuentwicklungen eine Steigerung des Alkoholkonsums nicht stattgefunden. Es gibt auch im Bereich alkoholischer Getränke „Moden“, und die unterliegen bekanntlich einer ganz bestimmten Verlaufsform.

Schlussfolgerungen: Tatsächlich wirksame Präventionsmaßnahmen wären nicht die Verteuerung einzelner alkoholhaltiger Getränke, sondern eine intensive Vermittlung und Erziehung von Erwachsenen zu einem vorbildhaften und konsequenten Umgang mit Alkoholika, wenn Jugendliche dabei sind.

Prof. Reinhold Bergler

Geboren am 24.01.1929 in Nürnberg, Herr Bergler beendet seine Schulzeit 1948 mit dem Abitur im Dürer-Gymnasium, Nürnberg. Von 1948 – 1953 studiert er Psychologie, Soziologie und Pädagogik an der Universität Erlangen und beschliesst mit der Hauptdiplomprüfung (Dipl.-Psych.). 1954 Promotion zum Thema: Das Problem der Freizeitpädagogik. Von 1954 – 1969 ist Herr Bergler wissenschaftlicher Assistent an den Universitäten Erlangen und Würzburg. 1960 Habilitation für das Fach Psychologie, Habilitationsschrift: Das Problem der seelischen Entwicklung im Erwachsenenalter. 1960 gründet er das Institut der Stiftung für empirische Sozialforschung. Herr Bergler unterrichtet an verschiedenen Universitäten in Deutschland, besonders in Heidelberg, und von 1969-1995 ist er Universitätsprofessor (C4) und Direktor des Psychologischen Instituts der Universität in Bonn. Seit 1995 Emeritierung.


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